Andrea Jürgens Fan-Page

CD Rezension von Holger Stürenburg/SMAGO

04.02.2008 - 00:00:00

ANDREA JÜRGENS
Die CD "Verbotene Träume" im Test von Holger Stürenburg!

Wetten, dass Andrea beim Lesen dieser CD-Kolumne ganz "jeck" werden wird...?

Ende 2004 trennte sich die Wanne-Eickeler Schlagersängerin ANDREA JÜRGENS in aller Freundschaft von ihrem langjährigen Produzenten, Mentor und Entdecker Jack White. Unter dessen Ägide, hatte der hübsche, brünette, einstige Kinderstar eine Vielzahl von unvergeßlichen Klassikern ihres Genres aufgenommen. Ob ihr rührseliger Erstlingshit "Und dabei liebe ich Euch beide", den Andrea im zarten Alter von zehn Jahren eingesungen und Anfang 1978 umgehend auf die höchsten Ränge der Hitparaden hatte führen können, flotte Discofetzer der Sorte "Mama Lorraine" (1981), "Puerto Rico" (1982), "Manuel Goodbye" (1983) oder "Chinatown ist in New York" (1984) – wer anno Domini 2008 zwischen 30 und 40 Jahre alt ist und eine Affinität zum Deutschen Schlager aufweist, ist im Verlaufe seiner Kindheit und Jugend zu keinem Zeitpunkt an Andreas zeitlosen Liedern vorbeigekommen bzw. letztendlich sogar gemeinsam mit ihnen aufgewachsen.

Nach dem Abschied von Jack White, unterzeichnete "Der Spatz von Wanne-Eickel" (Zitat: Uwe Hübner) einen neuen Kontrakt mit KOCH/Universal und veröffentlichte dort Ende 2005 ihren CD-Einstieg "Lust aufs Leben", der sogleich nach Erscheinen in die Top 100 der "Media Control"-Charts einzog und somit Andreas erste Notierung in diesen seit 1981 (!) bedeutete.

Die knapp 41jährige Schönheit absolvierte daraufhin viele Auftritte, etwa auf Manni Schultes und Karl-Heinz Schweters regelmäßigen "Schlagerstarparaden", reanimierte alte Fans und gewann viele neue hinzu – so daß bei diesen natürlich eine extreme Erwartungshaltung hinsichtlich einer zweiten KOCH-Produktion von Andrea Jürgens entstanden ist. Und diese wird mit ihrem kürzlich vorgelegten, brandaktuellen Album "Verbotene Träume" (KOCH/Universal) wahrlich nicht enttäuscht.

Bereits, als Andrea im Dezember vergangenen Jahres auf der "Schlagerstarparade 2007" in Hannover den Titelsong "Verbotene Träume", der zugleich als erste Radiosingleauskoppelung fungiert, erstmals ‚live’ vor Publikum uraufführte, ging ein erstauntes Raunen durch die rund 8000 anwesenden Schlagerfreunde: So einen tollen Ohrwurm mit Garantie auf tausendfachen Diskothekeneinsatz hatte Andrea lange nicht mehr im Gepäck gehabt.


 



Und auf diesem hohen qualitativen Level hält sich auch gleichsam die gesamte, insgesamt knapp 48minütige Silberscheibe auf, die größtenteils vom perfekt aufeinander abgestimmten Songschreiber-Team Alfons Weindorf/Dr. Bernd Meinunger, mit Unterstützung von Uwe Haselsteiner und Heiko Schneider, konzipiert wurde – und absolut trefflich zu Andreas charmanter Stimme paßt.

Auf "Verbotene Träume" hören wir eine exquisite Mischung aus tanzbaren Up-Tempo-Nummern, sympathischen Balladen und klassischen Romantikschlagern mittlerer Geschwindigkeit, die mit ihren früheren Jack-White-Klassikern anstandslos mithalten können, diese ab und zu in punkto Eingängigkeit und Ewigkeitswert sogar noch zu übertreffen in der Lage sind.

Fraglos überwiegen auf Andreas aktuellem Tonträger die vorantreibenden, rasanten Disco-Fox-Knüller. Diese zeigen sich mal modern, zeitnah und rhythmusorientiert ("Dieses Parfüm auf Deiner Haut", "Tut es wirklich nicht mehr weh", "Mit einer handvoll Träume", "So stark, wie noch nie", "Zurück zu mir") oder gemahnen arrangement- bzw. melodiebezogen, aber niemals im Sinne eines Plagiats, liebevoll an Andreas Jack-White-Evergreens ("Es ist aus, vorbei", "Schweigen").

Als radikal partytauglich erweisen sich konsequente Fetzer a la "Doch es kommt, wie es kommt" oder "Jetzt geht das schon wieder los" – wobei in letzterem Falle die Fetenkompatibilität durch unnötige (und gänzlich unpassende) "Ballermann-Chöre" leider arg übertrieben wird.

Zur Gattung "offensiv-hymnische Popschlager" können auf "Verbotene Träume" die Ohrwürmer "Schau nach vorn und nicht zurück" und "Ich brauch’ nur etwas Glück" gerechnet werden. In ansprechend-liebenswertem Balladenkontext verbleibt dagegen das melancholische, leicht traurige Liebeslied "Ich hab’ Sehnsucht nach Sonne".

Der deutlich in die Beine gehende Discoschlager "Eine von uns Zwei muß gehen" zeichnet inhaltlich den Plot von Marianne Rosenbergs Kulthymne "Marleen" nach, läßt aber grammatikalisch enorm zu wünschen übrig. "Eine von uns ZWEI..." ist bestenfalls chaotisches Internet-Sprech, schlimmstenfalls "Rüttli-Schule-Slang".

Der puristische "Sprachfetischist" Holger Stürenburg sieht sich geradezu dazu verpflichtet, hier anzumerken, daß es NIEMALS heißen DARF "Eine von uns ZWEI...", sondern vielmehr "Eine von uns ZWEIEN", besser noch "Eine von uns BEIDEN" heißen MUSS – selbst, wenn dies dann wiederum immens nach Marianne R. klänge...

Davon abgesehen, stellt "Verbotene Träume" aber einen weiteren faszinierenden Höhepunkt in der inzwischen 30(!)jährigen Karriere von Andrea Jürgens dar. Knackige, fetzige Songs mit – weitgehend – intelligenten, spritzigen und aussagekräftigen Texten zeigen die Künstlerin jung und frisch, wie eh und je.

Ein einziges tatsächliches "Manko" findet sich jedoch auf "Verbotene Träume": Wie jeder in der Branche weiß, gilt der argentinische Hausfrauen-Schnulzier Semino Rossi als DER Vorzeigekünstler von KOCH/Universal. Andere Acts – bzw. gerade hochspannende Katalogprojekte – erfahren momentan niemals die Unterstützung seitens der Hohen Herren aus Martinsried bei München, die der tagtäglich das "Glück suchende" "Herr Rossi" minütlich zugestanden bekommt...

So hätte man doch im Hause KOCH/Universal aus der Not eine Tugend machen und Andrea ein Duett mit Semino Superstar einsingen lassen können. Andreas – ohnehin spanisch/feurig angehauchter – 1984er-Zwiegesang "Mi Amor", damals mit dem darüber hinaus nicht näher aufgefallenen Robby Tauber einstudiert und zu einem kleinen Radiohit gemacht, hätte sich trefflichst für ein solches Unterfangen angeboten.

Der Erfolg einer gesanglichen Paarung Jürgens/Rossi wäre zweifellos gewesen, daß "Verbotene Träume" sogleich am Erscheinungstag (ggf. vielleicht auch schon vorher) in allen Plattenläden dieser Republik als Frontline-Thema, womöglich mit spezieller, draller, unübersehbarer Werbung versehen, erhältlich gewesen und nun – rund eine Woche nach VÖ – mindestens (!) in die Top 10 der Albumcharts eingestiegen wäre...

So aber erscheint es dem kritischen Beobachter so, daß Andrea OHNE Semino-Support seitens ihrer aktuellen Plattenfirma unter "ferner liefen" gehandelt bzw. promotet wird, was wir jahrzehntelange Andrea-Fans SELBstverständlich niemals akzeptieren werden.

Der Tatsache, daß es sich bei "Verbotene Träume" um eine verdammt gute Platte handelt, tut dieses Vorgehen der Firma KOCH/Universal jedoch keinesfalls einen Abbruch!


Gesamtnote: 1-2

 

Quelle: Holger Stürenburg, 30./31. Januar 2008

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